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Ausdruck der sinnlichen Lebensfreude

August 2006 / Hanauer Anzeiger 

Ingrid Ellmauer aus Niederdorfelden hält in ihrer Malerei Bewegungen fest - Vor allem bewegte Akte zeigen körpereigene Dynamik

Als Ingrid Ellmauer (58) Ende der siebziger Jahre mit ihrem Mann von Frankfurt nach Niederdorfelden kam, weinte sie häufig. „Mir fehlte die Großstadt", erinnert sie sich, „ich fühlte mich wie begraben". Heute
kann sich Ellmauer gar nicht mehr vorstellen, das Ländliche aufzugeben. Sie nutzt die Ruhe der Umgebung vor allem für ihre Malerei. Über die langjährige Mitarbeit im Bad Vilbeler Kunstverein hat sich die hauptberufliche Lehrerin mit ihrer Kunst besonders im Wetteraukreis einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Irgendwann möchte sie nach Norddeutschland ziehen, um dort in aller Abgeschiedenheit zu malen.
Es ist ein nass-kalter Nachmittag. Vor der Balkontür prasselt der Regen in einen kleinen Gartenteich. Ingrid Ellmauer hat es sich mit ihren beiden Hundedamen und ihrer Katze im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Grüne Pflanzen, ein weißer Konzertflügel sowie zahlreiche Gemälde, Drucke und Skulpturen zieren das Interieur. Auf dem Tisch liegen ein paar Romane mit dem Etikett „Von Elke Heidenreich erlesen". Ingrid Ellmauer verbringt viel Zeit in diesem gemütlichen Ambiente, bevorzugt in Kaminnähe mit Musik und Literatur. „Das Malen hat für mich eine beruhigende Wirkung", verrät Ellmauer. In zahlreichen Kursen und im autodidaktischen Studium hat sie sich die Voraussetzungen geschaffen, um ihrem Drang nach künstlerischem Ausdruck gerecht zu werden. „Am Anfang stieß ich oft an meine Grenzen", berichtet sie. Über die Jahre sei sie zu jener handwerklichen Sicherheit gelangt, die es ihr heute erlaubt diese Grenzen immer weiter zu verschieben, den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern. Das Thema Tanz und Bewegung als primären Motivkomplex hat sie dabei nie aus den Augen verloren. Ingrid Ellmauer gehört nicht zu den Menschen, die von sich behaupten, zeitlebens künstlerisch aktiv gewesen zu sein. Tatsächlich begann die gebürtige Vogtländerin erst in Niederdorfelden, sich intensiv mit Pinsel und Farben auseinander zu setzen.
„Zuerst war Kunst nicht mehr als ein nettes Hobby", sagt sie. Schnell habe sie allerdings der Ehrgeiz gepackt, professioneller und hochwertiger zu arbeiten. Besonders mit der Aktmalerei hat sie sich seither tiefgründig auseinander gesetzt. „Mein Bestreben ist es, die Sinnlichkeit eines Körpers einzufangen", erklärt sie die Umsetzung weicher, runder Formen in Farbe. Im spontanen Pinselstrich bannt Ellmauer vor allem bewegte Körper auf Leinwand. Mittels oft nur minimaler Farbabstufungen lässt sie Silhouetten aus ihren Bildflächen heraustreten. Unter einem mehr expressionistischen als realistischen Anspruch beschränkt sich die Malerin heute fast ausschließlich auf einzelne Körperpartien. Trotz des groben Duktus ist es ihr durch kraftvolle Linienführungmöglich, Körperspannungen zu zeigen, Dynamik herauszuarbeiten.
Nicht jeder Betrachter heißt Ellmauers unkomplizierten Umgang mit Nacktheit gut: Gelegentlich ist sie mit dem Vorwurf der Pornographie konfrontiert worden. Nachhaltig hat sich die freiheitsliebende Frau davon allerdings nicht beeindrucken lassen: „Ich stehe zu meinen Bildern als Ausdruck von Lebensfreude und Sinnlichkeit", wiederholt sie. In ihrer Aktmalerei sei es ihr stets ein Anliegen, Oberflächen zu durchdringen.
Gerade die Abbildung des Körpers ermögliche ihr, die innere Welt des Menschen darzustellen. Abstrakte Begriffe wie Gefühl, Hoffnung, Traum oder Angst werden in ihren Bildern kommuniziert, erfahrbar gemacht. Ingrid Ellmauer macht zumeist das, was sie will. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen wirkt sie auf dreieckigen Leinwänden oder erstellt Bilderpuzzles. In der Vergangenheit hat sie Jute als Trägermedium ihrer künstlerischen Arbeit entdeckt. Hier setzt sie auf den Kontrast zwischen dem derben Material und fein ausgearbeiteten Motiven, schönen Gesichtern, die sie in der Werbung oder auf Postkarten findet.
Auch erste Schritte in Richtung Bildhauerei hat Ellmauer in den letzten Jahren unternommen. In Stein und Holz meißelt sie dreidimensionale Akte. An Beton hat sie sich versucht, demnächst möchte sie das Schweißen lernen. Ingrid Ellmauer begreift Kunst nicht nur als Möglichkeit der Lebensäußerung, darüber hinaus auch als ein Stück Lebensqualität. Dieses Gefühl hofft sie auch an die Schüler der Hanauer Tümpelgartenschule weiter zu geben. „Ich möchte junge Menschen dazu ermutigen, sich im kreativen Schaffenauszuprobieren", sagt sie. Schmunzelnd hat sie festgestellt, dass der moderne Teenager sich nicht gern die Hände schmutzig macht. Die Niederdorfelderin selbst kennt keine Scheu vor Farbflecken an den Fingern. „Sie gehören zum Kunstprozess dazu."
Vor allem Menschenbilder werden Ingrid Ellmauer sicherlich auch zukünftig beschäftigen. „Ich schätze die Begegnung mit unterschiedlichen Charakteren", erklärt sie. Besonders über die Gruppenausstellungen mit dem Bad Vilbeler Kunstverein hat sie sich zahlreiche Kontakte über Kunst ermöglicht. „Ich möchte mit meinen Werken nicht die Welt verbessern", betont sie. „Meine Arbeit baut nicht auf einem bestimmten philosophischen Konzept auf. Ich überlege nicht, wie und warum ich mich einem Thema widme, sondern lasse es sich einfach entwickeln." Die Kommunikation zwischen Bild und Betrachter soll nicht auf inhaltlicher Ebene, sondern über ästhetische Gesichtspunkte eingeleitet werden. Dabei spricht Ingrid Ellmauer eine ausdrucksstarke Sprache, die sich unverhüllt von Kleidung am Besten entfaltet.

Maryanto Fischer (HA/jp)

Kontakt mit Ingrid Ellmauer kann unter der Telefonnummer 0175/3259037 sowie über ihre Homepage im Internet aufgenommen werden.

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Letzte Änderung:
1. November 2017 20:58:42

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