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Blaubären, Blattnasen und Loseblatt-Künstler

November 2001 / Bad Vilbeler Neue Presse
von Christine Fauerbach

Bad Vilbel. "MALtreff" nennt sich die Gruppe der aktiven Künstler des Kunstvereins Bad Vilbel. Sie widmeten ihre Jahresausstellung wieder einem gemeinsam gewählten Thema. Bei der Vernissage der "blatt-KUNST-werke" in der Galerie der Alten Mühle waren die zwölf Künstlerinnen erfreut über den unerwarteten Publikumsansturm.
Doch auch für die Besucher lohnte sich der Weg, sie konnten sechzig Arbeiten in unterschiedlichen Techniken bewundern. Die Vereinsvorsitzende, Brigitte Reich begrüßte die Besucher und stellte mit ihrem Vortrag die Arbeit der Künstler vor. Die Gruppe versammelt sich einmal in der Woche in der der Werkstatt der Alten Mühle zum Malen. Dabei nutzen die Hobbykünstler auch fleißig die Gelegenheit, sich einander zu inspirieren. Das den Arbeiten zugrunde liegende Thema "Blatt" und die daraus entstandene Vielfalt habe die Künstler selbst überrascht. Zu sehen gab es nicht nur Herz-, Baum- oder Blütenblätter, sondern auch Ziffern- und Rotorblätter. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Sie reicht von Blattläuse über Blattspinat bis hin zur Blattnase.
Die Fantasie der Künstler fand ihren Ausdruck in Farbfotografien, Installationen, Collagen, Bleistift- und Kreidezeichnungen. Es gab ein Ikebana mit dem Motiv "Im einfachen das Schöne zu entdecken". Blätter  von herbstlichen Bäumen oder aus Stoff vervollständigten das Spektrum der Arbeiten. "Die Geschichte der Blattkunstwerke  begann  bei Adam und Eva, die in dieser Ausstellung mit den Porträts "Eva und Adam mit dem Blatt" von Heide Göbel vertreten sind. Ihre Nachfahren repräsentieren "Karia und Karl". Gleich am Eingang ist zu sehen wie Kinder mit Hilfe von Zeitungsblättern "das Hören" üben.Papier wird weltweit verwendet und Zeitungen gibt es auch  überall", meinte Brigitte Reich lakonisch.Der in Roggau lebende und in Bad Vilbel arbeitende Tom Meusert trug Lustiges und Besinnliches zum Thema "Begegnungen mit dem Blatt" vor. Er schenkte in seinem kurzweiligen Vortrag auch den sonst gerne vernachlässigten Rückseiten der Blätter Aufmerksamkeit. Der "Auftritt Rückseite" sei immer dann da, wenn Schreibunterlagen benötigt würden. Die Rückseiten von Werbesendungen eigneten sich hervorragend für Notizen, Pläne und Skizzen. Eine seiner Anekdoten handelte von Mariechen Schäfer, die das 100-jährige Bestehen ihres Lebensmittelgeschäftes in Roggau erleben durfte. Sie brachte es bei der sinnvollen  Wiederverwertung von Tageszeitungsblättern zur Meisterschaft, indem sie deren weiße Ränder abgeschnitten und die Seiten zu handlichen Zetteln verkleinert habe. Auf diesen addierte sie dann die Rechnungsbeträge ihrer Kunden zusammen. "Sie notierte alle Beträge fein säuberlich mit einem Bleistift, Kassenbons gab es bei ihr keine", erinnerte sich Tom Meusert schmunzelnd. Zusammen mit seinem seriösen Partner Käpt'n Blaubär hielt er eine witzigen Vortrag über "Blattläuse, die die Blättern bekamen".
An kuriosen Ratschlägen wie sie diese wieder loswerden könnten, mangelte es nicht. Seine begeisterten Zuhörer entließ das pfiffige Duo zum' „Abschluss der losen Blattsammlung" mit einem vergnüglichen Dichterwort. Von Christian Morgenstern rezitierten sie „Ein Butterbrotpapier im Wald, fühlt sich kalt". Wie unterschiedlich die Künstlerinnen das Thema interpretiert, hatten wurde beim anschließenden Rundgang durch die sehenswerte Ausstellung offensichtlich. Sie griffen das "Blatt"-Motiv spielerisch, mal hintergründig auf.
Für die Nachwelt rettete die Künstlerin Anna Frank "Das letzte Blatt" in einer Vase. Die Installation wird durch einen Glückspfennig aus der scheidenden deutschen Währung vervollständigt. Ein Stück "Urwald" verbannte sie zum Schutz hinter Stacheldraht und ihre Collage in drei Teilen "Beschriebenes Blatt", "Bunte Blätter" und "Unbeschriebenes Blatt" wartete mit Überraschungen im Detail auf. So ist auf "Beschriebenes Blatt" ein "Kochrezept für Mehlspeisen" ihrer Schwiegermutter Theresia Frank von 1926 und ein altes Kalenderblatt von einem "1. Januar" verewigt. Unter die Gäste der Vernissage mischte sich nach Ende des offiziellen Teils ein lautstarkes Pärchen. Lausbubenhaft nahmen "Rosalinde" alias Brigitte Reich und ihre "Tante Hildegard" alias Stefanie Estel, die Künstler, ihre Arbeiten und die Besucher ins Visier. Ausgestellt sind in der Galerie außerdem die Arbeiten von Renate M. Lietz aus Oberdorfelden, Ingrid Ellmauer aus Niederdorfelden, Gitta Junge aus Gronau, Gabriele Saur-Burmester und Herta Maria Reitz vom Heilsberg, Heide Göbel aus Neu-Isenburg, Christa  Schlichting  aus Nieder-Erlenbach, Gabriele Dehmer aus Frankfurt sowie Heidi Lembcke, Anna Frank, Annette Kern und Brigitte Reich, alle aus der Bad Vilbeler Kernstadt. Auf den Erfolg der Ausstellungseröffnung stießen     die Kreativen mit ihren Besuchern an. Bei Sekt und Brezeln kamen die Gruppen ins Gespräch. Ein Austausch über Kunst und ihre Ausdrucksformen entwickelte  sich.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15.  Dezember geöffnet: mittwochs von 15 bis 20.30 Uhr sowie donnerstag und freitags von 15 - 19 Uhr, an Wochenenden von 14 bis 18 Uhr.

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Letzte Änderung:
4. November 2016 15:20:04

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