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Der "Traum des Küchenjungen Werner F." und das Internet

Mai 2003 / Bad Vilbeler Neue Presse

Von Beppo Bachfischer

Bad Vilbel. Nein, die kräftige Nackte mit dem Pilzkopf ist nicht das eigene Spiegelbild, das manche Kundin lange Zeit gewohnt war, in der Umkleidekabine zu sehen. Es ist vielmehr der "Traum des Küchenjungen Werner F., der bei den Vorbereitungen zu einem erotischen Menü in einen plötzlichen Tiefschlaf fiel und dabei die Frau seines Meisters traf." Vielleicht ein autobiografisches Werk von Werner Fink, der neben dem Malen als zweite Leidenschaft das Kochen angibt, das er über lange Zeit äußerst kreativ und erfolgreich sogar beruflich ausgeübt hat, zelebriert und in seinen Werken daraus kein Hehl macht.
"Mag hier mancher Blick jener Frauen, die früher einmal in diesen Geschäftsräumen in der Umkleidekabine waren, in den Spiegel eher vorsichtig oder gar voller Unzufriedenheit mit sich selbst gewesen sein - heute Abend droht an diesem Ort keine Gefahr", beruhigte Städel-Kunsthistorikerin Dr. Ursula Grzechca-Mohr in ihrer Rede zur Vernissage im ehemaligen Ladytreff die Besucherinnen und deren Begleiter. Vielmehr ist es so, dass „uns hier eine mit einem ungebändigten "Hurra" - so der Titel des Bildes von Ingrid Ellmauer - entgegen tanzt, die sich in ihrer blauen Welt offensichtlich wohl fühlt und damit den Betrachter anzustecken vermag. "Die Erste" - wie sonst sollte der Vater der Online-Galerie „Vilbelart" Ralf Schülein seine erste Galerieausstellung überschreiben - ist ein Volltreffer, kein Zweifel.
Gedränge herrschte im und vor dem Ladytreff auf der Frankfurter Straße, als er sie zusammen mit Grzechca-Mohr eröffnete. "Die äußerst agile Kunstszene in und um Bad Vilbel ist derart hochwertig und vielfältig, dass sie unbedingt einer Förderung bedarf", sagt der leidenschaftliche Kunstliebhaber, der auch gerne mit dem Kunstverein kooperiert.Deshalb nutzt er die Möglichkeiten des Internets, Künstlern aus diesem Raum kostenlos und zeitlich unbegrenzt ein breites Publikum zu erreichen. Sie können sich mit Lebenslaufund bis zu 25 Werken im Web präsentieren.

Per Mouse-Click zu "Vilbelart"

Per Mouse-Click ist es möglich diese Bilder zu kaufen. Zusammen mit der Beratungsfirma "Yum new Media" wurde der Internet-Auftritt von „Vilbelart" professionell und möglichst unkompliziert gestaltet. „Nach neun Monaten Vorlaufzeit haben wir es prima hingekriegt. Damit kommt wirklich jeder zurecht", freut sich Schülein. Zum Vorteil der Künstler und zu seinem eigenen, denn nur wenn ein Bild verkauft wird, will er zu einem kleinen Anteil beteiligt sein. „Ich will damit kein Geld verdienen, sondern im Vordergrund steht allein die Förderung der Kunst", versichert er überzeugend. Ungeachtet der virtuellen Unterstützung ist es nach Schüleins Überzeugung jedoch zudem notwendig, die Künstler und ihre Werke auch in der realen Welt zu fördern.
Denn: "Kunst im Netz ist noch relativ neu und dem Betrachter fehlt hierzu auf jeden Fall die nötige Erfahrung, mit dieser Art der Präsentation entsprechend umzugehen." Zum Ausbau des professionellen Galeriebetriebs im klassischen Sinn sei die Präsentation an Ort und Stelle unumgänglich. Deshalb mietet Schülein "etwa drei oder vier Mal im Jahr" geeignete Ausstellungsräume für jeweils kurze Zeit an. So geschehen erstmals mit dem Ex-"Ladytreff" für 14 Tage. Hier sind die Werke von 13 Künstlern bis zum 27.Mai täglich je nach Anwesenheit der Künstler von etwa 10 bis 20, oft auch 22 Uhr zu sehen. Der Online-Galerist dankte der Vermieterin für den kurzfristigen Mietvertrag, den zuständigen Stellen der Stadt für die konstruktive Zusammenarbeit, besonders aber den Künstlern Ingrid Ellmauer, Corina, Gabriele Saur-Burmester, Herta Maria Reitz und Astrid Pramschüfer, die zwei Tage lang den Aufbau gemeistert haben. Die "Vier Mädchen auf der Stange" von Anneliese Sund begeisterten Grzechca-Mohr in ihrer Eröffnungsrede besonders.
"Warum sie so sitzen und worauf sie warten, das bleibt ihr Geheimnis. Wir, die Betrachter, dürfen ihnen begegnen, doch es ist kein Platz für uns vorgesehen. Die Stange ist besetzt und wir können auch nicht einen Fetzen ihres Gespräches auffangen, um das Geheimnis dieser Vier zu lüften." Derlei Geschichten gebe es viele zu entdecken in der Ausstellung. Wie jeder Erzähler und Musiker besitze auch jeder Künstler "die Freiheit, große Vorbilder zu haben und deren Ausdrucksweise weiter zu entwickeln. Schließlich ist jeder Augenblick neu und muss aufs Neue festgehalten werden: in Worten, mit Musik, mit den Mitteln der bildenden Kunst."Der Betrachter sei froh, an diesem Prozess teilhaben zu dürfen. Die Kunsthistorikerin wünschte "Vilbelart" viele Ausstellungen und "den Künstlern, dass ihre Achtung vor bereits Gestaltetem nie so groß werde, dass die eigene Sichtweise nicht noch hinzu gefügt werden könnte".

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Letzte Änderung:
4. November 2016 15:20:04

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